Erfahrungen einer Brown-Belt-Kämpferin

Ich habe mich über das Thema „Die Muskelkraft der Männer und wieso das so frustrierend ist“ mit Ana Yagües, Brown-Belt, Trainerin bei den Ground Fighters Hamburg, unterhalten. Mir war es wichtig euch auch die Erfahrung und Sicht einer erfahrenen BJJ-Kämpferin zu zeigen.

Kurz zu Ana (Informationen von http://www.groundfightersbjj.de/instructors/): „Ihre sportliche Karriere im Brazilian Jiu Jitsu begann sie 2007 im Zanshin Dojo, Hamburg, unter der Leitung des Gracie-Barra-Schwarzgurts Carlos „Chalita“ Eduardo. Nach etwa einem Jahr täglichen Trainings erlangte Ana den Blaugurt. Sie hat an mehreren Brazilian Jiu Jitsu-Seminaren und BJJ-Camps teilgenommen. Sie legt besonders Wert auf die Entwicklung des Sports unter Frauen und besucht regelmässig Seminare mit den besten Kämpferinnen der Welt.“

Als langjährige BJJ-Kämpferin hat sie die Erfahrung gemacht, dass man durchaus in der Lage ist mit Hilfe der richtigen Technik einen blutigen Anfänger, der nur wenig bis gar keine Technik vorzuweisen hat, jedoch mit reiner Muskelkraft kämpft, zu submitten. Aber sie sagt ausdrücklich, dass man bzw. frau durch reine Technik nicht immer gewinnt, d.h. dass das Kräfteverhältnis eine große Rolle spielt. Das Gegenteil zu behaupten sei eine recht naive Aussage, die zwar auch von Weißgurten, jedoch häufiger von erfahrenen BJJ-Kämpfern vertreten wird. Natürlich ist eine gute Technik wichtig, etwas Kraft und viel Ausdauer sind aber auch wesentliche Bestandteile für eine gute Entwicklung und für einen erfolgreichen Kampf. Beim „Neuen“, der vielleicht 20 oder gar 30kg schwerer ist, ist es relativ einfach seine Kraft gegen ihn einzusetzen, sodass dieser durch gute Technik submittet werden kann. Aber dieser Neue wird nicht immer neu bleiben, auch er gewinnt an Erfahrung und wird technisch besser. Es wird immer schwerer ihn nur durch gute Technik und mit bei weitem weniger Kraft als er besitzt, zu tappen. Zwar ist es noch möglich die Oberhand zu behalten, in besseren Positionen zu sein und ihn zu kontrollieren, aber das Submitten wird immer schwerer. Im Wettkampf kann dieser von der technisch besseren Frau zwar durch Punkte geschlagen werden, die reine Submission ist jedoch nicht mehr so einfach möglich. Sobald er seinen blauen Gürtel hat, ist es schon fast nicht mehr möglich ihn durch die bessere Technik zu schlagen, da auch hier seine Kraft ein wesentlicher Vorteil für ihn ist. Ana sagt dazu: „Meine Technik ist gut, meine Erfahrung ist viel höher als seine, aber das alles reicht nicht mehr aus um den Kraftunterschied auszugleichen. Zumindest nicht immer.“ Spätestens wenn der „nicht mehr ganz so Neue“ Purple-Belt ist, hat eine Frau, die zwar vielleicht noch die bessere Technik hat, nur noch geringe Chancen, mit weniger Kraft zu gewinnen.

Fazit: Je besser der Gegner wird, umso schwerer ist es gegen seine Kraft und Technik mit der dennoch überlegeneren Technik anzukommen.

Im Sparring sind wir alle Freunde, wir kämpfen um zu lernen und die erfahrenen männlichen Kämpfer werden ihren Fokus sicher erst auf die Technik und dann auf den Sieg legen. Aber während eines Wettkampfes sind wir keine Freunde, sondern Gegner. Wenn der eine stärker ist und technisch gut, dann wird er alles dafür tun und einsetzen (sofern er sich im Wettkampf-Regelwerk bewegt) um zu gewinnen und wenn es seine Muskeln sind 🙂 – das würden wir Frauen sicher nicht anders machen!

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei Ana für ihren Beitrag zu diesem Post und hoffe auf viele weitere Einträge hier im Blog mit ihren Erfahrungen.

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